Nanotechnologie in der Computerbranche
Die Nanotechnolgie erobert sämtliche Lebensbereiche, ob in der wissenschaftlichen
Forschung oder in den Produktentwicklungsabteilungen zahlreicher Unternehmen.
Industrie, Wissenschaft und vor allem auch die Verbraucher versprechen sich
durch den Einsatz von Nanomaterialien verbesserte Produkteigenschaften, und
gerade im Lebensmittel- oder Kosmetikbereich lassen sich Produkte mit dem Zusatz
"Nano" teilweise
deutlich besser verkaufen.
Die Branche allerdings, in der die Anwendung von Nanotechnologie schon lange
zum Alltag gehört, ist die Computerindustrie. Hier ist der Schritt von
der Nanowissenschaft zur Nanotechnologie zum größten Teil vollzogen.
Dies verwundert kaum, wenn man bedenkt, dass die großen Visionen der
Nanotechnologie im Wesentlichen den Konzepten ihres Vordenkers Eric Drexler
entstammen. Sein Vorstellungen von "Nanomaschinen", deren Atome sich nach
dem Willen ihrer Programmierer vervielfältigen und selbsttätig wieder
zusammensetzen, oder etwa die Entwicklung winziger Roboter für den Einsatz
im menschlichen Körper, beschäftigen noch heute die führenden
Köpfe der Computerszene. Führend in der Entwicklung bahnbrechender
Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie ist seit Jahren vor allem
der Schweizer IBM-Konzern. Noch heute ist der Ende der 90er Jahre in 35 einzelnen
Xenon-Atomen auf eine Nickel-Einkristall-Oberfläche „geschriebene“ Namenszug
von IBM ein gern zitiertes Bildobjekt in der wissenschaftlichen Presse. Und
immer noch kommen entscheidende Impulse und Fragestellungen in Bezug auf die
Entwicklung immer schnellerer und leistungsfähigerer Computerchips von
IBM. Zurzeit macht der Konzern aus Rüschlikon mit Prozessoren von sich
reden, die serienreif ab 2009 in IBM-Computern eingesetzt werden sollen. Bei
der Entwicklung haben sich die Schweizer Forscher von einem natürlichen
Verfahren inspirieren lassen, das zum Beispiel dem Prozess zur Bildung von
Muschelschalen oder Schneeflocken dient. Durch Billionen kleinster Löcher
erzeugten die Ingenieure ein isolierendes Vakuum um die Kupferleitungen ihrer
Chips - die elektrischen Signale und damit auch die Prozessoren sollen dadurch
um bis zu 35 Prozent schneller werden. Auch an der Entwicklung molekularer
Speichermedien wird bei IBM geforscht - erste Tests mit dieser neuen Technologie
ergaben eine 50-mal höhere Speicherdichte als bei herkömmlichen Festplatten.
Aber nicht nur in der Schweiz wird an der Entwicklung immer weiter verbesserter
Speichermöglichkeiten und damit immer schnellerer Rechenkapazitäten
heftig geforscht und entwickelt. Zahlreiche namhafte Unternehmen der Computerbranche
arbeiten an winzigen Speicherchips, die durch den Einsatz der Nanotechnologie
eine enorm verbesserte Leistungsfähigkeit aufweisen. In Kalifornien entwickelten
US-Forscher eine aus Silikon bestehende Kette, deren einzelne Glieder nur eine
Größe von jeweils 50 Mikrometern haben. Die gesamte Kette ist somit
kleiner als ein menschliches Haar. Auf Computerchips installiert, sollen diese
Ketten Abläufe der Nanotechnologie steuern und damit immer größere
Speicherkapazitäten ermöglichen.
Carver Mead, einer der Vordenker in der Entwicklung immer schnellerer und
kleinerer Speichermedien, der im Silicon Valley schon lange als Guru des Chipdesigns
gilt, sah zwar bereits vor 35 Jahren Grenzen in der fortschreitenden Miniaturisierung
von Transistoren im Nano-Bereich, also im Bereich von Molekülen und Atomen.
Doch seiner Meinung nach geht es im Computerbereich nicht nur allein darum,
immer schnellere Transistoren zu entwickeln. Bereits in den 80-er Jahren war
er maßgeblich an der Entwicklung von Chips beteiligt, die der Leitungsfunktion
von natürlichen Nervenbahnen ähneln. Systeme nach dem Vorbild der
Natur zu bauen, die effizienter und auch besser arbeiten als jeder herkömmliche
Computer, dass ist sein erklärtes Ziel. Für diese biologisch inspirierten
Schaltkreise wurde auf analoge Schaltungen zurückgegriffen, eine Technik,
die die Funktionsweise des menschlichen Gehirns mit ihren elektrischen Impulsen
imitiert. Die Grundlagenforschung nach dem Vorbild der Natur ist auch heute
noch erklärtes Ziel am California Institute of Technology, wo mittlerweile
Eric Winfree Carvers Nachfolger als Professor für Computertechnik ist.
Aktuell wird dort versucht, das biologische Prinzip der Selbstorganisation
für die Computertechnologie nutzbar zu machen. Mit der Möglichkeit,
Materie auf atomarer Ebene zu manipulieren, werden nach Ansicht der kalifornischen
Forscher bald einzelne Atome als Speichermedien dienen können.
Der schnellste Intel-Pentium-Chip trägt heute bereits etwa 55 Millionen
Transistoren. Wenn das Tempo der Verkleinerung im Bereich des Chipdesigns sich
nicht verlangsamt, so werden die Speicherchips von morgen schon etwa 64 Milliarden
Transistoren beinhalten. Nach Carver Meads Vorstellungen wird die Quantenwelt
des Nano-Kosmos für integrierte Schaltkreise etwa 2010 erreicht sein.
Und überall auf der Welt wird an immer neuen und immer winzigeren Computerdesigns
geforscht - der Hochleistungsrechner in Armbanduhrgröße ist somit
keine allzuferne Utopie mehr.
|