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Sonnenschutz, Deodorants, Antiaging mit Nanostoffen

Nanotechnologie in der Kosmetik

Strahlender und schimmernder Teint in jedem Alter, ein sichtbar jüngeres und vitales Erscheinungsbild und selbstverständlich eine deutliche Minderung der Faltentiefe - dies sind nur einige der zahlreichen Werbeversprechen, die Frauen (und zunehmend auch Männern) täglich von Kosmetikherstellern gemacht werden. Die alterslose Schönheit so mancher Filmstars, die mit großformatigen Anzeigen in den entsprechenden Frauenzeitschriften ihre Pflegeserien vorstellen, unterstützen diese Botschaften, so dass immer mehr Kunden tief in die Tasche greifen, um mit immer neuen, vermeintlich revolutionären Cremes und Tinkturen dem unvermeidlichen Alterungsprozess der Haut ein Schnippchen zu schlagen. Doch was ist dran an der Wirkungsweise all dieser Antiaging-Produkte? Bislang waren sich so ziemlich alle mit der Thematik befassten Experten darin einig, dass herkömmliche Antifaltencremes höchstens eine oberflächliche Wirkungsweise haben können. Denn keines dieser Präparate, egal ob mit natürlichen oder synthetischen Inhaltsstoffen, war in der Lage die natürliche Zellbarriere der Haut zu überwinden und tatsächlich von innen heraus zu wirken.

Doch neuartige und angeblich bahnbrechende Pflegeserien sind nun genau dazu instande. So bewirbt ein mittelständisches Unternehmen aus Niedersachsen seine neue Pflegeserie als kosmetisches Hightech-Produkt. Nanopearls in Lichtpartikelgröße sollen das Coenzym Q10, eine körpereigene vitaminähnliche Substanz, direkt in die Zelldepots befördern und hier den altersbedingten Schwund ausgleichen. Das als Trägersystem angewandte NLC (Nano-Lipid-Carrier)-Verfahren wurde 2004 mit dem Rohstoff-Oscar ausgezeichnet. Ein anderer Hersteller bewirbt seine brandneue Antiaging-Pflegeserie als Innovation durch die Verwendung von Gold- und Seidenpartikeln in Nanogröße. Die Cremes sollen als perfekter Schutzschild gegen vorzeitige lichtbedingte Hautalterung wirken.

Schon seit einigen Jahren werden Nano-Substanzen in Sonnenschutzmitteln verwendet. Ein häufiger Wirkstoff ist hier z.B. Zinkoxid und Titandioxid. Die mineralischen Metalloxide bieten sofortigen Sonnenschutz, ohne lange in der Haut einwirken zu müssen - ein Vorteil, der für viele Konsumenten ausschlaggebend ist. Zinkoxid wird häufig auch in der Naturkosmetik als hervorragend bewährter Wirkstoff mit antibakteriellen und hautschützenden Eigenschaften verwendet. Mittels Nanotechnologie verfeinerte Hightech-Produkte bieten ebenfalls hervorragenden Schutz gegen die UV-A- und UV-B-Strahlen der Sonne, und dank ihrer Transparenz können sie in einer größeren Bandbreite von Produkten eingesetzt werden als herkömmliches Zinkoxid.


UV VIS Spektrum unterschiedlicher Zinkoxid- Parafin Dispersionen [1]

Nanosilber ist ein weiterer Wirkstoff, dessen Anwendung in der Kosmetik durch seine antimikrobiellen Eigenschaften immer interessanter wird. Silber hemmt die Vermehrung und das Wachstum von Bakterien und Pilzen, welche Infektionen und Geruch verursachen, darüber hinaus wirkt Silber ausschließlich in seiner unmittelbaren Umgebung und gibt keine Substanzen an die Umwelt ab. Dadurch bietet Nanosilber in Kosmetik- und Pflegeprodukten einen großen Vorteil für Mensch und Umwelt.
Denn gerade die Möglichkeit der Freisetzung von Nano-Wirkstoffen wird zurzeit kontrovers diskutiert. Natürlich gelangen beim Baden im Schwimmbad oder Baggersee, aber auch beim abendlichen Duschen danach, Nano-Wirkstoffe aus Haut- und Sonnenschutzcremes in die Ökosysteme. Wie werden diese Nanopartikel im Wasser transportiert, verteilt und abgebaut? Wie und in welcher Konzentration entfalten sie möglicherweise eine Wirkung? Und wie sind die Reaktionen im menschlichen Körper auf die Nano-Pflegeprodukte zu beurteilen? Risiken sollten niemals verharmlost werden; aber Panik und utopische Szenarien sind keine gerechtfertigten Argumente. Wichtig sind fundierte, wissenschaftliche Untersuchungen und Bewertungen.

Viele Fragen, die von verschiedenen Seiten derzeit diskutiert werden. Kritiker sehen einen großen Nachholbedarf bei der Untersuchung möglicher Schäden, die bei der Verwendung von Nano-Kosmetika entstehen können. Doch beim heutigen Forschungsstand gehen die Wissenschaftler davon aus, dass z.B. der Inhaltsstoff Titanoxid nur bei Verletzungen der Haut direkt aufgenommen werden kann. Auch wenn aktuell noch nicht alle Folgen und Risiken untersucht worden sind - die Nanotechnologie hält unaufhaltsam Einzug in zahlreiche Kosmetik- und Körperpflegeprodukte.

So ist eine neue Zahncreme auf Nano-Technologie-Basis in der Lage, bei freiliegenden Zahnhälsen die offenen Tubulis (Nervenkanäle) zu verschließen. Der biomimetische Wirkstoff, der hier enthalten ist, ist in seiner Zusammensetzung identisch mit dem Zahnmaterial und verhält sich wie sein natürliches Vorbild. Durch einen Prozess, der Neomineralisation genannt wird, verbindet er sich mit dem freiliegenden Zahnmaterial und schützt dies durch eine nur wenige Mikrometer dünne Schicht vor Schmerzempfindlichkeit. Dieser Prozess wirkt nachhaltig, da das Material fest anhaftet. Die derzeit bekannten Zahncremes betäuben durch Zusätze die Nerven am Zahnhals und sind daher nur von kurzer Wirkdauer.


Offene Dentin-Tubuli vor der Behandlung (links). Geschlossene Dentin-Tubuli nach 20 Behandlungen mit Nanit®active (rechts)[2]

Ein weiteres Beispiel sind Nanoemulsionen, die zunehmend großes Potential aufweisen und in diversen kosmetischen Produkten schon enthalten sind, beispielsweise in Deodorants. Aufgrund des geringen Durchmessers der Kapsel (Mikro/Nanoverkapselung) wird der Brechungsindex beeinflusst. So erscheinen eigentlich trübe oder farbintensive Wirkstoffe/Geruchsstoffe transparent. Zudem sind Wirkstoffe oftmals sehr anfällige Verbindungen, die mit Stabilisatoren und Konservierungsstoffen geschützt werden müssen. Bei Nanoemulsionen fallen diese Stoffe weg oder werden reduziert. Hautirritationen und allergische Reaktionen sind dann minimiert. Die Kapseln bestehen je nach Formulierung aus einem hydrophilen oder hydrophoben Kern. Die Aussenhülle wird dem System angepasst. Der Gesamtdurchmesser liegt je nach Verbindung zwischen 30 bis 200 Nanometer.

Bild Kapsel


Bildquellen: [1] nanoproducts.de[2]
Henkel AG & Co. KgaA/ SusTech Darmstadt. Webseite: http://www.nanit-active.de/forschung.html

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