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Richard P. Feynman, Norio Taniguchi, Eric Drexler und Co.

Geschichte der Nanotechnologie

Die Nanotechnologie erlebte in den letzten Jahren einen ungeheuren Zuwachs an Forschung und industrieller Entwicklung, aber auch an öffentlichem Interesse. Dagegen erscheint die mediale Diskussion zur Zeit eher geleitet von wenig fundierten Informationen, hier geht es im Wesentlichen entweder um faszinierende Visionen im Bereich des Designs von Materialien auf atomarer und molekularer Ebene oder aber um Risikoszenarien von zur Zeit noch kaum realisierbaren Anwendungen. Die tatsächlich vorhandenen Entwicklungsschritte in der Hochtechnologie, im Lebensmittelbereich, der Kosmetik oder der Landwirtschaft z.B. sind der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt.

Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie beschäftigen Wissenschaftler schon seit Jahren. Als Pionier der theoretischen Grundlagen hierfür kann sicher der amerikanische Physik-Nobelpreisträger Richard P. Feynman genannt werden - er beschrieb während eines Vortrages im Jahre 1959 als Erster seine Visionen der Manipulation von Materie auf atomarer Ebene. Kaum eine Technologie erregte in der Folgezeit die Fantasie zahlreicher Wissenschaftler mehr als die Nanotechnologie. Der Begriff der Nanotechnik wurde erstmals 1974 von dem Japaner Norio Taniguchi geprägt, der die revolutionären Anwendungsmöglichkeiten von Materialien in ultrakleinen Dimensionen von weniger als einem Milliardstel Meter (10-9 m) beschrieb.

Währenddessen wurde in den Forschungslabors des Schweizer Konzerns IBM ebenfalls heftig an den Anwendungsmöglichkeiten dieser neuartigen Technologien gearbeitet. Das 1982 entwickelte Rastertunnelmikroskop von Gerd Binnig und Heinrich Rohrer, für das die beiden Forscher vier Jahre später den Nobelpreis erhielten, machte es erstmals möglich, Atome sichtbar zu machen und gezielt zu positionieren. Ende der 90er Jahre gelang es Don Eigler von IBM den Namenszug des Unternehmens in 35 einzelnen Xenon-Atomen auf eine Nickel-Einkristall-Oberfläche zu schreiben, bis heute ein beliebtes Bildobjekt in der Wissenschaftspresse.


Abbildung 1: IBM Logo mit 35 einzelnen Xenon-Atomen auf eine Nickel-Einkristall-Oberfläche

Die ganz großen Visionen und Hoffnungen der Nanotechnologie entwickelte vor allem ein Wissenschaftler: Eric Drexler, der in seinen Büchern "Engines of Creation" (1986) und "Unbounding the Future" (1991) das Konzept der molekularen Nanotechnologie einführte. Vereinfacht gesagt, entwickelte Drexler hier die Vorstellung von sich selbst reproduzierenden molekularen Komponenten, was einen unglaublichen Wirbel in der Fachwelt auslöste. Seine Vorstellungen von "Nanofabriken" und "Nanomaschinen", in denen Atome sich selbst vervielfältigen und gezielt nach den Bauplänen der Programmierer wieder zusammensetzen, haben bis heute die populären Meinungen über Chancen und Risiken der Nanotechnologie entscheidend geformt. Sich selbst reproduzierende Lebensmittel, die die Ernährungsprobleme der Menschheit lösen sollen, die Entwicklung winzig kleiner Roboter für den Einsatz im menschlichen Körper im Kampf gegen Tumore oder Arterienverkalkung und ähnliche Konzepte sind zur Zeit aber noch eher im Science-Fiction-Genre beheimatet denn tatsächlich realisierbar.

Gewiss findet sich bereits eine große Bandbreite von Anwendungen vor allem in der Elektronikbranche, im Automobilbau, der Architektur, der Medizin, der Lebensmitteltechnologie, der Landwirtschaft sowie in der Kosmetik und im Pharmabereich. Hier können Nanomaterialien aufgrund ihrer veränderten Eigenschaften als stärkere Farbstoffe, Geschmacksstoffe und Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden, antibakterielle Zusätze in Folien und Verpackungen verlängern die Haltbarkeit bestimmter Lebensmittel, in der Landwirtschaft werden sie für Pestizide und Düngemittel verwendet. Kratzfeste Oberflächen werden z.B. bei der Herstellung von Brillengläsern eingesetzt, und nach den Vorstellungen mancher Produktdesigner werden Nanomaterialien in naher Zukunft die Reinigung z.B. von Sanitärobjekten überflüssig machen.

Wohin der Trend gehen wird, ist bei den umfangreichen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in dieser Plattformtechnologie zur Zeit schwer absehbar. Denkbar ist z.B., dass sich Vorteile aus ökologischer Sicht beim Einsatz der Nanotechnologie durch die Miniaturisierung und Effizienzsteigerung bei den eingesetzten Produkten ergeben - das heißt, dass erhebliche Ressourceneinsparungen möglich wären. Andererseits könnten die Miniaturisierung und hohe Integrationsdichte der Produkte ein Recycling erschweren. Auch könnten durch den Einsatz der Nanotechnologie in der Lebensmittelindustrie z.B. gesundheitliche Risiken entstehen, die zu Zeit noch kaum absehbar sind.

Eine Entwicklungsrichtung der Nanotechnologie kann als Fortsetzung und Erweiterung der Mikrotechnik angesehen werden, und in der Chemie folgt der Einsatz der Nanotechnologie oft dem umgekehrten Ansatz: Chemiker, die üblicherweise in molekularen, d. h. sub-nano-Dimensionen arbeiten, bauen aus einer Vielzahl von einzelnen Moleküleinheiten größere nanoskalige Molekülverbunde auf. Das Foresight-Institute, am Rande der Berge von Los Altos, oberhalb des Silicon Valley gelegen, gilt heute als das ideologische Zentrum für die Fortentwicklung der Nanotechnologie. Gegründet von niemand anderem als Eric Drexler, dem großen Vordenker dieser faszinierenden Technologie, wird hier an den kühnsten Hightech-Träumen geforscht.


Abbildung 2: v.l.: Richard P. Feynman, Norio Taniguchi, Eric Drexler


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